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Berichte von der BioFach – Teil 2: Heute: Siegel Ist mehr hier nicht weniger? + Transfair führt Fairtrade Code System ein

Saturday, February 21st, 2009

Liebe FAIRwandler,
Gestern habe ich mich auf der BioFach insbesondere zum Thema Siegel Dschungel mit einigen Verantwortlichen unterhalten, um zu verstehen, wie es hier weitergehen soll und warum hier von außen betrachtet so wenig Kooperation und Koordination zu passieren scheint. Fangen wir mal mit dem klassischen Fairtrade Bereich an.

Hier ging ja vor einigen Monaten die IMO (Institut für Marktökologie) mit ihrem Fair for Life Siegel an den Start, um einen weiteren Fairtrade Standard zu etabilieren. IMO kommt aus dem Bereich der Bio-Zeritifizierungen und trägt mit diesem Schritt, nach eigener Aussage, dem Wunsch vieler Kunden Rechnung, doch auch eine Fairtrade Zertifizierung anzubieten. Auf Nachfrage bei IMO am Stand, warum man denn nicht mit FLO Zusammenarbeiten würde, um hier den Verbraucher nicht unnötig mit zwei konkurrierenden STandards zu verwirren hieß es, daß zum einen hier Produktgruppen zertifiert würden, für die FLO noch keine Zertifizierung anbietet (hier wurde beispielsweise Anis genannt), zum anderen sind auch die Kriterien etwas anders gelagert. Der wesentliche Unterschied liegt wohl zum einen darin, daß IMO keine Lizenzgebühren für seine Zertifizierung verlangt, zum anderen gibt es hier keinen festgelegten Mindestpreis. Vielmehr überläßt man es den Produzenten hier selbst einen Mindestpreis zu verhandeln.

Natürlich habe ich auch bei FLO nachgefragt, warum die Gespräche zu einer Zusammenarbeit gescheitert sind. Ich habe aber auf der Messe keine Stellungnahme bekommen. Keiner wollte sich dazu äußern, es wurde mir aber versprochen, daß ich im Nachgang zur Messe noch etwas bekommen würde. Beim Weltladen Dachverband und dem Forum Fairer Handel schüttelt man über das neue Siegel nur den Kopf.

Es bleibt abzuwarten, inwieweit dieses Siegel Akzeptanz findet. Aus Verbrauchersicht ist es aber sicherlich nicht hilfreich, dem Siegeldschungen hier noch ein weiteres Siegel hinzuzufügen, zumal das Fairtrade Siegel eines der wenigen international eingeführten Siegel mit hoher Akzeptanz ist. Ich denke, am Ende stecken hier auch wirtschaftliche Interessen dahinter.

Mehr Informationen zu diesem neuen Siegel findet ihr unter:
www.imo.ch

Auch in der Naturkosmetik Branche ist ein neues Siegel angetreten, für mehr Transparenz zur Sorgen. Die 3 NaTrue Siegel wurden von 5 der großen Hersteller ins Leben gerufen, um ein Zeichen zu setzen, wie es auf der Webseite heißt. Am NaTrue Stand erzählt man mir, daß es darum ginge, einen europaweiten Standard zu setzen. Ich persönlich bin da immer etwas skeptisch, wenn Hersteller selbst ein Siegel gründen um die Qualität ihrer Produkte zu zertifizieren. Im Gespräch mit BDIH (Bundesverband Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und Körperpflegemittel e.V.), die bislang mit ihrem eingeführten Siegel “kontrollierte Naturkosmetik” 130 Produzenten unter Vertrag haben schüttelt man naturgemäß über das neue Siegel den Kopf. 5 BDIH Kunden hätten sich hier abgespalten, darunter Dr. Hauschka und Weleda, wollten mehr europäische Geltung. Auch hier war man offensichtlich nicht in der Lage, einen gemeinsamen Weg zu beschreiten. Bislang fahren aber alle, außer Weleda, noch einen parallelen Kurs. Schon alleine, weil bei NaTrue bisher nur wenige Produkte zertifiziert sind und auch die Akzeptanz im Markt erst noch gewonnen werden muß!

Alle Branchen sehen die Zusammenführung von fairen + bio Standards, das ist höchst erfreulich. Die neuen Siegel sind für mich aber keine erkennbare Verbesserung der Transparenz im Markt, aus meiner Sicht ist hier für den Verbrauche mehr eher weniger!

Auf der Transfair Pressekonferenz gab es dann aber auch viele postive Neuigkeiten. Das Highlight war sicherlich der Launch des neuen Fairtrade-Code Systems:
http://www.fairtrade-code.de/
Hier könnt ihr zukünftig auf Spurensuche zu eurem Produkt gehen. Wo wurde es hergestellt, welche Produzenten stecken dahinter? Wer ist der Importeur? Entlang des Entstehungsprozesses wird über diesen Code das Produkt für den Verbraucher noch viel anfaßbarer. Wie ich finde, eine tolle Sache, die hoffentlich Fairtrade weiter Auftrieb beim Konsumenten gibt! Noch sind es nur wenige Produkte, aber es sollen bald mehr werden, die über dieses System nachverfolgt werden können.

Auch Dieter Overath, Geschäftsführer von Transfair, spricht über die zunehmende Integration von Fair+Bio und verspricht, hier weiter mit FLO daran zu arbeiten, möglichst viele faire Produkte auch in Bio Qualität zu liefern. Es sind hier aber immer 2-3 Jahre der Umstellung zu überbrücken und natürlich auch Finanzierungskonzepte zu entwickeln, um diese Umstellung für die Produzenten möglich und sinnvoll zu machen. Gerade im Textil Bereich und bei Zucker gestaltet sich eine solche Umstellung bei den derzeitigen Marktpreisen für die Produzenten sehr schwierig, so Overath. Auch die Wirtschaftskrise wirft hier ihre Schatten, da die Hürden für Kreditvergaben hier höher geworden sind.

Es gibt auch neue Produktentwicklungen, an denn gearbeitet wird, so will man Fisch und Shrimp als nächstes zertifizieren.

Von FLO erfahre ich dann noch, das neben der Fischerei Branche auch für die Tourismus Branche geprüft wird, inwieweit hier ein Fairtrade Logo Anwendung finden könnte.

Alles in allem macht die Entwicklung im fairen Handel Mut! Deutschland hat hier noch großen Nachholbedarf im Vergleich zu europäischen Nachbarn wie der Schweiz oder England. Mit 110 Mio Umsatz ist das Transfair Siegel der Branchen Primus. Keiner konnte mir Zahlen zum Gesamtvolumen des Fairen Handels nennen, da es hier auch keine gemeinsame Sichtweise gibt, was hier neben dem Transfair Volumen hinzuzurechnen wäre. Hand-in-Hand von Rapunzel, Rainforest Alliance, die Liste anderer Labels die mit FAIR werben ist mittlerweile lang geworden. Aus Sicht des Weltladen Dachverbandes und Forum Fairen Handels sind diese Label aber nicht wirklich fair. Man könnte als sagen, sie sind im Transfair zu fair ;-) (konnte mir dieses Wortspiel nicht verkneifen).

Fest steht aber, daß die Produzenten diese ideologischen Debatten wenig kümmern, wenn ihnen beispielsweise das Hand-in-Hand Siegel zu gesünderen Arbeits- und Lebensbedingungen verhilft. Vielleicht schafft es ja die Branche irgendwann, sich nicht nach den selben alten Mustern des Kapitalismus zu verhalten und stärker zu kooperieren und zu integrieren.

Herzlich grüßt

Frank

Biofach Impressionen – 1

Saturday, February 21st, 2009

Hallo,
Seit heute ist Nürnberg für 4 Tage wieder die globale Bio-Hauptstadt. Die BioFach – Weltleitmesse für Bio Produkte, und die Vivaness – Weltleitmesse für Naturkosmetik und Wellness, haben die Tore wieder für das Fachpublikum geöffnet. Über 2700 Aussteller sind anwesend und es gibt dieses Jahr erstmalig eine Sonderschau “Organic+Fair” in Halle 3, leider etwas sehr ab vom Schuß, aber immerhin. Begleitet wird diese auch von einer Reihe von interessanten Vorträgen rund um das Thema. Auch hier zeigt sich, daß so langsam zusammenwächst, was zusammen gehört, Bio+Fair treten mehr und mehr als ein starkes Team auf.

Mir ist die Zusammensetzung der Aussteller nicht so ganz plausibel, die hier in dieser Organic + Fair Zone versammelt sind. Im Gespräch mit dem Forum Fairer Handel erzählten die mir dann auch, daß weder der Weltladendachverband noch das Forum in die Vorbereitung einbezogen waren und eigentlich nur durch Zufall davon erfahren hatten. Der Versuch hier gemeinsam mit der Messe zu arbeiten hat da leider nicht geklappt. Auch die IMO mit ihrem relativ neuem Fair for Life Siegel ist vertreten. Morgen werde ich sowohl mit IMO als auch mit Transfair sprechen, um mal zu hinterfragen, warum diese beiden Siegel nebeneinander bestehen müssen. Mir erschiene es wesentlich sinnvoller hier zusammenzuarbeiten, denn für die Verbraucher ist es nicht wirklich hilfreich, mit einer Flut verschiedener Siegel konfrontiert zu werden, die miteinander konkurrieren, auch wenn dieses Wort hier natürlich niemand in den Mund nehmen will. Ich werde natürlich hier dann davon berichten!

Was mir wirklich immer wieder gut gefällt ist Fair Deal Trading (http://www.fairdealtrading.de ), die mit ihrer Innovationskraft immer neue Produktgruppen und Produkte für den fairen Markt entwickeln. Gründer Martin Kunz hat hier wirklich ein gutes Händchen. Ganz neu gibt es jetzt beispielsweise Flip Flops, die direkt in SriLanka gefertigt werden, wo auch der Bio-Kautschuk angebaut wird. Auch kompostierbare Gummi Bänder, Spülhandschuhe sind neu im Sortiment. Dann gibt es natürlich die Schuhe und Bälle von Ethletic, die für jeden Sportverein Pflicht sein sollten, wenn es nach mir ginge. Schaut euch mal auf der Webseite um. Hier wird Fairtrade in immer neue Felder ausgedehnt, was ich super finde.

Ich spreche hier in meinen Gesprächen mit Ausstellern auch immer das Thema der Elektronik Industrie an. PC und Mobil Telefon sind ja wahre Giftküchen und weder Bio noch Fair haben diesen Markt bislang so richtig erreicht, sicherlich auch wegen der hohen Einstiegsbarrieren dieser Branchen. Sowohl die Produktpolitik als auch das Verhalten dieser Branche ist bislang leider nicht wirklich zukunftsorierntiert. Bleibt zu hoffen, daß auch dieser Bereich bald mehr Beachtung findet.

Außerdem gibt es dieses Jahr auch zum ersten Mal eine Textil-Area für Öko-Mode in Halle 7, die Glore Gründer Bernd Hausmann mit organisiert. Auch hier zeigt sich, wieviel in dieser Branche passiert. Viele neue junge Mode Labels stellen hier aus und zeigen junge, ökologisch korrekte Mode. Die Gründer und Macher dieser Labels sind allesamt noch richtig jung und ich bin überzeugt, daß wir von Labels wie Fairliebt (www.fairliebt.com ), Zündstoff (www.zuendstoff-clothing.de ) oder Bonhom (www.bonhom-clothing.de ) noch viel hören werden, um nur mal einige exemplarisch zu nennen, mit denen ich mich heute unterhalten habe. Alle haben gemeinsam, daß sie ökologisch korrekte Mode designen wollen, die cool ist.

Als Randnotiz fällt mir immer wieder auf, wieviel Abfall hier durch das reichen kleiner Häppchen an all diesen Ständen entsteht. Von Einweg Löffeln über kleine Schalen wird hier weggeschmissen im Sekundentakt. Ich habe das mal an einem Stand verfolgt, der kleine Proben Nasi Goreng verteilte. In einer Minute sind 15 dieser kleinen Abfallschüsseln samt Mini-Löffel in den Abfall gewandert. Da sollte es doch mittlerweile kreativere Mittel geben, eßbare Schüsseln etc……

Alles in allem war es ein spannender erster Tag hier auf der BioFach und ich bin voller Eindrücke und Ideen, was alles noch so möglich sein könnte.

Herzlich grüßt

Frank

Berichte von der Sustainability Konferenz in Nürnberg Teil 2

Wednesday, February 18th, 2009

Hello,
Here is part two of my update from the first Sustainability Conference in Nürnberg.

Todays Key Note was done by Klaus Töpfer, our Ex-Minister of Environment. He talked about “Sustainability in a worlds of crisis. His message was, that only investments, that would focus on both, the economy and the environment would really make sense, instead most of the goverments investments are focusing just on boosting the economy, sometimes with a negative effect on the environment. What’s more critical to us, the destruction of our planet or the breakdown of our economy, he asked. He criticized the “Abwrackprämie” for German cars and said instead there should have been a premium to replace the outdated heating systems in German schools, which would have an impact for economy and environment. I really liked that comparison! It is a shame, we miss this opportunity to do something really meaningful with all that money.

He also believes, the new focus on environment by the the US goverment will help to speed up new product developments, as more competition will arise, in particular from the US. Also he criticized the focus on Gross Domestic Product (GDP) as a measure of the well-being of a country. He shared the example of the Himalayan country Bhutan, where the king had introduced a new index, the Gross National Happiness index to measure the well-being of his population. You find an article in on this topic under the following link:
http://www.nytimes.com/2005/10/04/science/04happ.html?pagewa…

I quite like this concept, as it shifts the focus away from money to a more social dimension of well-being.

The aspect of todays discussions, that I found most interesting was the topic of labeling. Dr. Ulf Jaeckel introduced a new label, the German government wants to use. It is the well known “Blue angel / Blauer Engel”, which was the first enviromental focused label worldwide, introduced by the German Government in 1978. Now this label wants to define a new sustainability standard. You find background information on this new label also on Utopia:
http://www.utopia.de/wissen/ratgeber/der-blaue-engel-wird-zu….

According the Dr. Jaeckel Germany wants to put criteria for a 100 product groups together for the “Blue Climate Angel / Blauer Klima Engel” , all within the next 2 years. I find this whole discussion very confusing and discussing this with other participants, we were all wondering, whether this would truley help. I feel, along with many others, that there are already to many labels and standards, and reducing this would help us consumers more, I think.

What is your opinion?

Marina Hoffhaus from the LOHAS Competence Center talked about Greenwashing. What bothered me, was that she used exactly the same style, she criticized. She made the claim, that 20% of all Germans are LOHAS? I am not sure, where she gets that number from. If this was true, why is not 20% of our consumption with sustainable product. I think, we have to differentiate between “LOHAS talkers” and “LOHAS walkers”, who truley translate the talk into action. Anyways, there is no doubt, the LOHAS movement is growing!

Do you know what LOHAS is and do you see yourself as part of this life style?

I want to close for today with another one of Klaus Töpfers statements:
“Our life style and consumption behaviour is not a successful article to export to other countries”
“Unser Lebensstil und unser Konsum Verhalten sind kein erfolgversprechender Export Artikel für andere Länder”

I think he is right about that, and this is exactly were we can contribute to make a difference!

More tomorrow!

Kind regards

Frank