Fairtrade ist ja, wie ihr wißt ein Fokusthema für mich. Daher ein Überblick, was es hierzu heute Neues zu berichten gab.
Das Thema Fairtrade wurde am heutigen Konferenztag und bei der Eröffnungs Pressekonferenz zur BioFach/Vivaness vielfach diskutiert. Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte rund um das Fairtrade Thema.
Zuerst von der Pressekonferenz. Dort wurde erfreulicherweise das Thema Fairtrade und allgemein die soziale Dimension rund um Nachhaltigkeit intensiv erörtert, was die wachsende Bedeutung dieses Themas zeigt, aber auch das Zusammenwachsen von Bio und Fair, zumindest in den Köpfen, nocheinmal deutlich macht. Zunächst einmal ein paar Zahlen für die Statistiker unter euch. Die Zahlen stammen von Organic Monitor und wurden auf der Pressekonferenz vorgestellt.
Der globale Bio-Markt war 2007 auf einem Volumen von 46,1 Mrd. US$, bei einem angenommenen Wachstum von 10-15% in 2008 würde das für das abgelaufene Jahr ein Volumen von über 50 Mrd. US$ bedeuten. Deutschland ist der zweitgrößte Markt nach den USA. Fast 100% des Volumens verteilen sich auch Nord-Amerika und Europa, was nicht weiter verwunderlich ist. Die Naturkosmetik ist der zweitgrößte Sektor mit einem weltweiten Umsatz von 7Mrd US$, davon 65% in N. Amerika. Auch hier ist Deutschland das zweitgrößte Land. Derzeit ist der Anteil an Naturkosmetik am Gesamt Kosmetikumsatz im deutschen Markt bei ca. 5%.
Fairtrade Produkte wurden für 3.3 Mrd. US$ umgesetzt. Dieser Markt ist weitaus schneller als der Bio-Sektor gewachsen, nämlich um sagenhafte 47%. Hier ist Europa im Gegensatz zu Bio mit 65% Anteil führend. Was aber hier auffällt, ist der Fakt, daß Deutschland im Gegensatz zum Biosegment hier nicht entsprechend seiner wirtschaftlichen Stellung in Europa abschneidet. Länder wie Frankreich, die Schweiz aber auch Finnland liegen hier über den deutschen Fairtrade Zahlen, was erstaunlich ist. Da stellt sich natürlich die Frage, warum Bio in Deutschland erfolgreicher ist, als in anderen Ländern, während Fairtrade offensichtlich bei uns noch ein Nischendasein fristet.
Es würde mich interessieren, eure Meinung zu hören, woran das liegen könnte!
Es gab heute auf der Konferenz eine Break-out Gruppe zum Thema: Offering good practice – social aspects and fairtrade. Auf dem Podium hatte sich eine interessante Gruppe zusammengefunden. Zum einen waren SAI (Social Accountability International), der Geschäftsführer von FLO (Fairtrade Labelling Organisation) und die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) vertreten. Zum anderen aber auch Industrievertreter von Puma und Lidl.
Zu Beginn wurde über die SA8000 (Standard for Social Accountability) Zertifizierung gesprochen. Diese Zertifizierung wurde vor einigen Jahren von SAI entwickelt wurde. Dieser Standard deckt letztlich ein ähnliches Feld ab, welches auch von den Kriterien des Fairtrade Labels abgedeckt wird. Von den Anwesenden wurde allerdings bemängelt, daß ein Betrieb, der sich nach SA8000 zertifizieren läßt, nur schwer damit auch nach außen Werbung machen kann, da dieser Standard beim Verbraucher kaum bekannt ist und auch keine Labels dafür existieren.
Mehr Info zu SA8000 findet ihr bei SAI:
www.sa-intl.org
oder auf Deutsch unter:
http://www.tuv.com/de/sa_8000.html
Rob Cameron, der Geschäftsführer von FLO International e.V. repräsentierte mit dem Fairtrade Siegel eines der wenigen Siegel, die wirklich auf globalen Level Akzeptanz finden. In mittlerweile 58 Ländern findet das Fairtrade Siegel Anwendung. Mehr als 1.6 Millionen Produzenten arbeiten laut FLO nach dem Fairtrade Siegel Standards, die in Deutschland bei Transfair zusammengefaßt sind. Es gibt mittlerweile mehr als 1500 verschiedene Produkte. Gerade diese breite, länderübergreifende Anwendung des Siegels, macht das Fairtrade Logo für die Wirtschaft meines Erachtens so attraktiv, da der Wiedererkennungswert beim Verbraucher hoch ist.
Es bleibt zu hoffen, daß die vielen firmen-spezifischen Standards, die in den letzten 5 Jahren entstanden sind, um vom attraktiven Wachstum des Fairtrade Marktes eine Scheibe abzubekommen, so nach und nach auch in diesem Siegel aufgehen, denn die aufkommende Flut an unterschiedlichen Kriterien und Siegeln verwirrt vor allem die Verbraucher und führt sicherlich eher zu Verunsicherung als zu gesteigerter Nachfrage nach Fairtrade. Rob hob hervor, wie komplex und langsam es ist, zwischen all den verschiedenen nationalen Stakeholdern rund um Fairtrade, den Fairtrade Standard einvernehmlich weiterzuentwickeln. Dies ist sicherlich auch ein Grund, warum viele Firmen ihre eigene Suppe kochen, denn die läßt sich dann nach eigenem Gusto würzen. Wie fair das dann wirklich ist, ist für den Verbraucher ja oft nur schwer einzuschätzen.
Lidl und Puma präsentierten in Kürze deren Nachhaltigkeitsstrategien. Bei beiden war auch Fairtrade ein wesentliches Thema, wenngleich der Anteil fairer Produkte bei Lidl und Puma noch verschwindent gering ist.
Von den Industrievertretern im Publikum kam immer wieder Wunsch, doch ein Sustainability Siegel zu haben, wo ökologische, soziale und Produkt Aspekte gleichermaßen Anwendung finden. Dies wäre sicherlich auch aus Verbrauchersicht wünschenswert, allerdings scheint die Komlexität hinter einem solchen Siegel vielen Teilnehmern noch enorm. Ich glaube auch hier wird in den nächsten Jahren ein Umdenken erfolgen und es wird zusammenkommen, was zusammengehört.
Ich denke, hier sind wir gefordert, durch unser Konsumverhalten ein klares Zeichen zu setzen um so ein noch schnelleres Umsteigen dieser großen Unternehmen zu bewirken.
Insgesamt ist es höchst erfreulich, wie das Thema sozialer Standards einen immer größeren Raum bei Konferenzen und Messen rund um Nachhaltigkeit einnimmt. Auch auf der Biofach gibt es einen Sonderbereich zum Thema Fairtrade, von dem ich dann Morgen berichten werde.
Herzlich grüßt
Frank
Hallo Frank,
danke für die informativen Berichte von der Sustainability Konferenz auf der Biofach. War wohl recht interessant. Dass sich immer mehr Unternehmen bewusst werden, dass unternehmerische Verantwortung nicht bei der finanziellen Jahresbilanz aufhört, ist sehr erfreulich und nach meiner Beobachtung insbesondere dem gestiegenen sozialkritischen Verbraucherbewusstsein zu verdanken.
Das sich das bisher mit zwar ständig steigenden aber absolut gesehen noch sehr minimalen Fair-Trade-Umsätzen äußert, sollte uns unbedingt anspornen, die “Werbetrommel” zu rühren. Nicht nur bei Verbrauchern, auch bei den Unternehmen.
Wenn Lidl nun 12 Fairtrade-Produkte von 1500 Produkten im Sortiment hat, so ist das schon bald 1% der Produkte (Anteil am Umsatz und Gewinn wäre interessant?). Das ist – vermute ich – schon mehr als der Durchschnittsbürger kauft – und von daher durchaus lobenswert.
Schlimm ist es, wenn ein Discounter einerseits mit einigen Fairtrade-Produkten dick wirbt, andererseits aber absolute Dumpingpreise für die Produkte seiner Billigmarken durchdrückt und auch seine eigenen Mitarbeiter schlecht bezahlt und behandelt. Die paar FairTrade-Euros wären wie ein Tropfen auf einen heißen Stein.
Beste Grüße
Bernhard
[...] Frank Braun beschreibt in vier Artikeln seine Eindrücke von der Konferenz: 1 – 2 – 3 -4 [...]
Vielen Dank für den informativen Bericht! Mein Kompliment!
Herzliche Grüße! Bianca Hubbler
Guter Domain – Habe eine. Meiner einer ist auch gegenwärtig dabei meinen Weblog aufzubauen und ich finde dein Template toll. Wo kann man das installieren?